»Ich bin doch kein Penner«

»Ich bin doch kein Penner«

publikforum21/2007

Jugendliche, die auf der Straße leben, pendeln zwischen Selbstbehauptung und Mutlosigkeit. Und wollen doch vor allem eines: Normal sein

Offiziell gibt es sie gar nicht: Das Gesetz kennt keine obdachlosen Jugendlichen. Als Minderjährige sind sie bei ihren Eltern oder in Einrichtungen der Jugendhilfe gemeldet – auch wenn sie auf der Straße leben.

Auf den ersten Blick erkennt man sie auch nicht: Mädchen und Jungen ohne Dach über dem Kopf schieben ihre Habseligkeiten nicht im Einkaufswagen durch die Gegend und schlafen nicht auf Parkbänken.

Sie schlüpfen bei Freunden unter oder bieten Sex gegen eine Nacht im Bett. Sie reißen aus, weil es zu Hause oder in der Jugendwohngruppe unerträglich ist, sie flüchten vor Überforderung, Schlägen, Armut oder sexuellem Missbrauch, kehren nach ein paar Tagen zurück oder bleiben für immer weg

Viele von ihnen tauchen ein in die Anonymität einer Großstadt wie Frankfurt. Am Tage streunen sie herum, nachts bietet Frankfurt mit der Notschlafstelle für Kinder ab zwölf Jahren Sleep In eine Anlaufstelle. Hier kann man kostenlos duschen, essen, schlafen, reden und verschnaufen – das hilft erst einmal. Wer will, bekommt bei der Beratungsstelle Streetwork Innenstadt weitere Unterstützung.

Von Michaela Böhm

»Mann, dieser Sitzpisser ist immer noch drin.« Mike drückt die Klinke. Abgeschlossen. Unwillig dreht er sich um. »Peggy, haste mal ’nen Rasierer?« Die Sozialarbeiterin Peggy Zittier schließt den Schrank auf und gibt Mike (die Namen der Jugendlichen sind geändert) einen Einmalrasierer, er verschwindet in der mittlerweile offenen Toilette, sperrt ab, Wasser rauscht.

Es ist kurz nach 10 Uhr, seit wenigen Minuten ist das Büro der Frankfurter Streetwork Innenstadt geöffnet, und mehr als ein halbes Dutzend Jungen und Mädchen schwirrt herein. Hier kennt jeder jeden, weil man sich immer wieder an den gleichen Orten trifft, auf der Straße, auf der Konstablerwache, im Sleep In.

Evi braucht Hilfe beim Ausfüllen des Antrags für Arbeitslosengeld II, Ivan faltet die Zeitung auseinander und markiert Stellenanzeigen. Peggy Zittier winkt mit dem Telefonhörer in der Hand Markus zu sich. Er soll der Bewährungshelferin selbst sagen, warum er den Termin mit ihr versäumt hat. Und Virginia ist entschlossen, nie wieder einen Fuß in die Wohngruppe zu setzen, weil die Mädchen respektlos mit ihr umgegangen seien. Aber wohin heute Nacht? Sie zuckt die Achseln und guckt den Sozialarbeiter an. Der seufzt. Ein komplizierter Fall. Wer einfach nur so kommt, trinkt Kaffee, toastet Berge von Brot, belegt sie dick mit Schinken und Käse, lässt die Milch draußen stehen und die Kühlschranktür offen.

Mike, 19, frisch rasiert, hofft, dass ihm die Streetworker helfen, eine Wohnung zu finden. Deshalb ist er hier. Mit 16 ist er von zu Hause abgehauen, nachdem ihn sein Stiefvater gewürgt hatte. Seitdem lebt Mike auf der Straße, hängt auf Spielplätzen und in Treppenaufgängen herum oder schläft bei Kumpels. Aber niemals im Schlafsack auf der Straße. Mike sagt, Menschen, die so etwas tun, sind Penner. Die haben keinen Ehrgeiz mehr und keine Hoffnung. Solche stellen sich auch am Domtreff oder in der Lazarushilfe in die Schlange der Armen, Obdachlosen und Stricher und essen sich satt. Er klaut lieber, steht Schmiere beim Drogenhandel oder zieht Leute ab. Was ihn immer wieder vors Jugendgericht bringt. Die Latte seiner Straftaten ist lang: Schwarzfahren, Körperverletzung, Diebstahl, gemeinschaftlicher und bewaffneter Raub.

Mike ist blass und mager. Die Wimpern fast weiß, die blauen Augen wässrig, unter dem hellen Flaum eine Lippenspalte. Über seinem Hinterteil flattert eine Jeans, auf der mit großen Lettern »Casanova« steht. Einer, der sich scheut, mit Fremden zu sprechen, sich kaum traut, allein zum Amt zu gehen, oft in Zoff verwickelt und angepöbelt wird. Der aber genauso gern prahlt und provoziert. Der zwischen Großspurigkeit und Mutlosigkeit pendelt und zu viel trinkt. Alkohol, Zigaretten und Drogen sind oft mit von der Partie, einerseits um »Party zu machen«, andererseits um das Leben auf der Straße zu ertragen.

Die nächsten Schritte sind geplant: Mike soll in einer betreuten Wohngruppe leben und eine berufliche Maßnahme beginnen. Das ist schwierig genug. Bei über 18-Jährigen schieben sich die Behörden die Zuständigkeit gegenseitig zu. Der überörtliche Träger an die Kommune und die Kommune an die ARGE, das Jobcenter für Langzeitarbeitslose – keiner will für die Heranwachsenden ohne Beruf und Wohnung zahlen müssen. Aber auch Mike sei es schwer gefallen, sich auf die nächsten Schritte einzulassen, sagt sein Sozialarbeiter Karsten Hochmuth. Zu lang damit zu warten sei jedoch nicht gut – je länger jemand auf der Straße lebe, desto schwerer falle es ihm, sich wieder in ein normales Leben einzufügen. Normal sein: Nichts anderes will Mike. Normal ist das kleine Wort für die vielen Sehnsüchte nach einem Leben mit einer Frau und Kindern, einer Wohnung mit Kühlschrank und Waschmaschine, zwischen Gardinen und Geranien.

Mike hat es jetzt eilig, er muss weg. Wohin? »Kein Plan.« Schon ist er verschwunden. Falls Mike aus der betreuten Wohngruppe wieder herausfliegt, wird ihm sein Streetworker keine Vorwürfe machen. Hier kürzt keiner das Arbeitslosengeld II, weil jemand nicht zum Ein-Euro-Job erscheint, niemand raunzt einen an, weil man doch nicht beim Sozialrathaus aufgekreuzt ist. Streetworker arbeiten nicht mit Kontrolle und Druck. Für Mike müsste eine neue Lösung gefunden werden. Ist das nicht frustrierend? »Wenn ich die Jugendlichen immerfort retten wollte, dann sicherlich«, sagt Karsten Hochmuth. Aber oft sind die Ziele klein und erreichbar. Wenn jemand ein paar Wochen untergebracht ist, hilft das. Um nicht zu verelenden. Um zu verschnaufen. Um Zeit zu gewinnen und zu überlegen: Was will ich? Der Weg wird für den Sohn des Rechtsanwaltspaars, das dessen Homosexualität nicht erträgt, anders aussehen als für die 19-Jährige, die von ihrer Mutter fortgejagt wird, weil sie mit ihr nicht mehr anschaffen gehen will. Eins ist für alle gleich: Wer auf der Straße lebt, kann nicht gleichzeitig Schulden regeln, einen Entzug machen, für Klassenarbeiten lernen und einen Job suchen.

16 Uhr. Wie jeden Mittwoch schlendern zwei Sozialarbeiter der Streetwork Innenstadt um die Konstablerwache, bleiben stehen, gehen langsam ein paar Schritte. Sie haben keine Eile. Die Konstablerwache ist ein zentraler Platz in Frankfurt. Hier treffen sich Einkaufsbummler und Schaufensterflaneure, Straßenprediger mit Pappschild um den Hals, die in Selbstgespräche Verirrten, die vom Alkohol Gezeichneten, die illegalen Geschäftemacher und viele, die keinen Plan und keine feste Bleibe haben. Die beiden Sozialarbeiter, Karsten Hochmuth und Mustafa Laghchioua, haben die Jugendlichen im Blick, die sich nicht ins Büro der Streetwork Innenstadt trauen, weil selbst diese Schwelle zu hoch ist. Deshalb sind die Streetworker oft abends unterwegs, laufen zur Hauptwache, bis zur Oper oder gehen die Fußgängerzone ab, weil dann alle sichtbar werden, die immer noch ziellos schlendern, obwohl die Läden längst geschlossen sind. Hochmuth und Laghchioua bieten Hilfe, lassen ihr Kärtchen mit der Telefonnummer zurück.

Hochmuth hat Virginia und ihren Freund entdeckt, winkt, ruft und sprintet hinterher. Die beiden haben keine feste Bleibe, schlafen mal hier, mal da. Virginias Freund ist bisher aus allen Wohngruppen und Wohnheimen geflogen, im Sleep In hat er Hausverbot. Virginia nicht. Aber weil sie sich nicht einmal nachts von ihm trennen will, bleibt sie an seiner Seite. Womöglich findet sie deswegen auch immer neue Gründe, wieso sie es in keiner Wohngruppe länger aushält. Zu ihrem Vater geht sie nicht zurück, zu ihrer Mutter auch nicht. Warum? »Ich kann dort nicht leben.« Mehr möchte sie dazu nicht sagen. Sie weiß nur eines: Sie will mit ihrem Freund zusammenziehen, einen Beruf lernen, heiraten, Kinder kriegen und den Haushalt führen. Die Sozialarbeiter sind skeptisch: Sie vermuten, dass nicht die fehlende Wohnung das Problem des Pärchens ist, sondern das Miteinander-Leben. Aber zunächst geht es darum, einen Schlafplatz für Virginia zu finden. Virginia zuckt die Achseln. Eine Freundin anrufen? Aber dort war sie mit ihrem Freund erst gestern. »Es ist so scheiße«: morgens nicht zu wissen, wo man nachts schläft. Fast Food in sich hineinzustopfen, weil es kein Regal gibt, um Lebensmittel zu deponieren, und keinen Kühlschrank, damit sie haltbar bleiben.

Darum muss sich im Sleep In keiner kümmern. Dort gibt es Duschen und eine Waschmaschine, etwas Warmes zu essen und ein richtiges Bett. »Möchtest du Salat dazu?«, ruft die Sozialarbeiterin aus der Küche und schiebt einen Teller mit Reis und Gemüse in die Mikrowelle. Sie wärmt für Stefan ein spätes Essen auf. Ausnahmsweise. Abendessen gibt es im Sleep In gewöhnlich nur bis 21 Uhr. Aber Stefan hatte angerufen, um zu sagen, dass er von seinem ersten Arbeitstag als Ein-Euro-Jobber später kommen werde. Jetzt hat er Hunger. Aber nicht auf Salat. Grünzeug wird hier nur ungern gegessen. Die Sozialarbeiterin breitet das Tischset aus und stellt Saft dazu. Sie umsorgt ihn, damit er sich willkommen fühlt. »Gut, dass ich hier gelandet bin«, sagt Stefan mit vollem Mund. Seit er hier ist, sind seine Gedanken nicht mehr so schwarz wie früher.

In Frankfurt ist Stefan zufällig gelandet. Weil ihn der Schaffner ohne Fahrkarte erwischte und an der nächsten Station aussteigen ließ. Mit 15 Jahren zog Stefan von zu Hause aus, weil er den Kasernenhofton seines Vaters nicht mehr ertrug. Und dessen strenge Strafen wie eine Woche Hausarrest für Unpünktlichkeit. Er bezahlt seine Wohnung von dem Geld, das er im ersten Lehrjahr als Gas- und Wasserinstallateur verdient. Er bricht die Lehre ab, findet eine neue Lehrstelle und wird entlassen, weil er trotz Krankschreibung auf den Rummelplatz geht und nach einer Schlägerei im Krankenhaus landet. Als die Freundin bei einem Autounfall stirbt, stürzt Stefan ab. Er ersäuft die Trauer in Whisky, lebt auf der Straße und rollt sich nachts zum Schlafen unter einer Brücke zusammen.

»Alles klar?« Stefan legt das Besteck auf den leeren Teller, faltet das Set einmal und noch einmal, streicht den Stoff glatt, packt die Tube mit der Remouladensoße darauf, schiebt den Stuhl zurück und steht auf. Mehr gibt es nicht zu sagen. Er wirft sich auf die Couch, schaut fern, springt wieder auf und geht noch mal raus ins Bahnhofsviertel, »zum Chillen«.

Sechs Nächte pro Monat dürfen Jugendliche, die auf der Straße leben, im Sleep In übernachten. Die Begrenzung ist notwendig, sonst wären die 20 Betten der Einrichtung schnell überfüllt. Aber das Sleep In braucht immer ein freies Bett für Kinder und Jugendliche, die nachts von der Polizei auf der Straße aufgegriffen werden oder selbst an der Tür klingeln. Hier sind sie sicher. Auch vor den Eltern. Manchmal gibt es Ausnahmen. Wie bei Stefan, der seit fast einen Monat im Sleep In übernachtet. Das Sozialrathaus hat das genehmigt, bis ein Platz im Männerwohnheim frei ist. Stefan ist das recht. Er fühlt sich wohl hier. Um Mitternacht wird er klingeln, sein Bett beziehen und einschlafen. Morgens um acht Uhr ist Weckzeit, immer und für jeden. Wer nicht aufsteht, bekommt einen Strafpunkt. Wer zu viele davon hat, riskiert ein befristetes Hausverbot. Regeln müssen sein. Auch wenn es schwer fällt.

»Auf der Straße überleben kann nicht jeder«

Lara Kron war obdachlos. Später hat sie ihren Schulabschluss nachgeholt, heute arbeitet sie im pädagogischen Bereich.

Sie ist schlank, kaum geschminkt, hat gepflegte Hände. Ihre Haltung, das schmale Gesicht und die streng nach hinten gekämmten Haare erinnern an eine Balletttänzerin. Eine selbstbewusste Frau, die so klar wirkt wie ihre Wohnung. Lara Kron (Name geändert), 38, erzählt, warum sie mit 14 Jahren von zu Hause abgehauen und nie wieder zurückgekehrt ist.

Von Protokoll: Michaela Böhm

Meine kleine mutige Schwester war acht, ich zwei Jahre älter, als sie mich hinter sich her auf die Polizeiwache zerrte und den Polizisten dort erklärte: »Wir werden zu Hause verprügelt, wir brauchen Hilfe.« Sie haben uns damals nicht ernst genommen und uns wieder weggeschickt. Und uns fehlten die Worte zu erklären, was tatsächlich mit uns geschah.

Meine Eltern ließen sich scheiden, als ich zwei Jahre alt war. Meine Mutter verlor das Sorgerecht, wir vier Geschwister landeten im Kinderheim, einem großen Haus mit vergitterten Fenstern und einem Schlafsaal mit 20 Betten. Drei Jahre später holte sie uns zurück: Sie hatte eine Wohnung gefunden, Arbeit und lebte mit ihrer Freundin zusammen. Meine Geschwister bekamen Musikunterricht, manchmal unternahm unsere Mutter Ausflüge mit uns. Das war die schöne Seite. Die andere: Mit acht Jahren besorgte ich den Haushalt und kochte für alle. Oft reichte das Geld tagelang nur für Toastbrot, und wir gingen hungrig ins Bett. Für Zigaretten und den Alkohol meiner Mutter reichte es dagegen immer.

Während meiner gesamten Schulzeit konnte ich nur selten am Sportunterricht teilnehmen, weil jeder meine blauen Flecken und Verletzungen bemerkt hätte. Wir sind geprügelt worden – mit dem Kochlöffel, mit Gürteln, mit Lederriemen. Immer und immer wieder, selbst wenn einem von uns beim Abtrocknen nur versehentlich die Tasse aus der Hand gerutscht ist. Das war jedoch kein plötzliches Aufbrausen im Alkoholrausch. Ich musste in kaltem Wasser baden, bevor ich geschlagen wurde. Durch die Kälte verengen sich die Gefäße, dadurch entstehen nicht so schnell blaue Flecken, aber die Schmerzen sind sehr viel heftiger. So eine Methode fällt einem nicht zufällig ein. Ich vermute, dass meine Mutter solche Demütigungen früher am eigenen Leib erlebt hat. Das entschuldigt nichts, aber erklärt es. Heute kann ich benennen, wofür uns damals auf der Polizeiwache die Worte fehlten: Es war Sadismus.

Mit 14 Jahren war ich oft in Diskos unterwegs. Einmal ist es vier Uhr morgens geworden. Wenn ich um diese Zeit heimgegangen wäre, hätte meine Mutter mich fürchterlich verprügelt. Also blieb ich weg. Geplant war das nicht, aber ich wusste: Ich gehe nicht mehr zurück! Seit diesem Tag lebte ich auf der Straße. Was hätte ich sonst tun sollen? Die Polizei hatte nicht geholfen, die Lehrer schauten weg, und die Nachbarn hörten nichts. Kinderheime, Jugendamt, Sorgentelefon, das kannte ich alles nicht.

Ich tauchte in der Großstadt unter und bekam schnell Kontakt zu anderen Jugendlichen, die wie ich auf der Straße lebten. Wir knackten Schlösser und schliefen in Gartenlauben, an Wochenenden manchmal bei den Eltern von Freunden, oft auch im Freien. Einmal bin ich im Winter im Park unter einen großen Busch gekrochen. Es war gruselig, dort nachts allein zu liegen. Ich hatte unverschämtes Glück: Mir ist nie etwas passiert, auch nichts Fieses mit Männern. Klar hatte ich Angst. Immer. Vor der Polizei, vor Kontrolleuren, vor allem. Aber die Angst vor meiner Mutter war größer.

Ein Leben auf der Straße ist anstrengend. Woher bekomme ich zu essen? Wo schlafe ich heute Nacht? Wie überstehe ich den Winter? Wie schlage ich die Zeit tot? Ich habe Essen geklaut und Klamotten, manchmal direkt von der Wäscheleine, tagsüber bin ich mit der Straßenbahn kreuz und quer durch die Stadt gefahren oder habe in der Stadtbibliothek Bücher gelesen, im Sommer habe ich mir Geld mit Kellnern verdient. Die Schule konnte ich nicht besuchen, schließlich wollte ich nicht entdeckt und zurückgeschickt werden. Es war mir immer wichtig, gepflegt auszusehen. Ich habe heimlich bei Freunden gebadet, bevor deren Eltern nach Hause kamen, mich auf öffentlichen Toiletten gewaschen und mir die Zähne geputzt. Eine Zahnbürste hatte ich im Rucksack immer dabei. Ich wollte nicht verlottern. Mich nicht aufgeben.

Ich lebte fast ein Jahr auf der Straße, bevor meine Mutter mich auf Druck ihrer Kollegen überhaupt als vermisst meldete. Sie arbeitete damals in der Verwaltung bei der Polizei. Daraufhin wurde ich innerhalb kürzester Zeit aufgegriffen. Nicht länger allein für mein Überleben sorgen zu müssen war eine Befreiung. Ich zog in eine Jugendwohngruppe, richtete mein erstes eigenes Zimmer ein und konnte endlich zur Ruhe kommen und wieder gesund werden. Ich wog nur noch 45 Kilo. In der Jugendwohngruppe blieb ich, bis ich 18 Jahre wurde. Nicht einmal dort konnte ich den wahren Grund nennen, wieso ich von zu Hause ausgerissen bin.